Mehr Vorstellungsbilder bei Vokabeln
Die
»Egal-Regel«
Bei jedem Wort, das Sie kennen,
ist es leicht, sich sofort ein vorgestelltes Bild davon zu machen. Wenn
wir ein Wort nicht nur lesen, sondern uns die genannte Sache auch
vorstellen, gelangen wir einen Schritt weiter in Richtung Langzeitgedächtnis.
Genau da wollen wir beim
Vokabellernen hin.
Jedes Wort, das Sie nicht verstehen, gleicht einer
zu lernenden Vokabel, und wir sollten uns sofort daran gewöhnen, bei
jedem Fremdwort gleich seine Bedeutung nachzuprüfen oder im Lexikon
nachzuschlagen.
Bildhaft Vorgestelltes ist immer
auch verständlicher. Unsere Intelligenz wächst. Wir verstehen besser.
Wir lernen leichter. Üben Sie sich also einfach darin, Vokabeln bildhaft
zu sehen. Nun wird es Ihnen - vor allem am Anfang -
nicht gleich gelingen, bei jedem Wort sofort ein Bild zu sehen.
Sie werden beobachten, dass
Ihnen bei den meisten Vokabeln sofort und spontan, auf Anhieb, kein
passendes Bild einfällt. Um dieses Problem zu lösen, darf ich Sie mit
der nur ganz wenigen Menschen bekannten »Egal-Regel« für das Vorstellungsvermögen bekannt
machen.
Die »EgalRegel«
besagt, dass Vorstellungskraft immer als Erinnerungsstütze und
Eselsbrücke dient, ganz egal ob die Bildvorstellung logisch, unlogisch,
passend oder unpassend, praktisch oder nicht praktisch ist.
Der geringste Ähnlichkeitsreiz
genügt also schon, um auf der bildhaften Vorstellungsebene den totalen Rückruf
der Erinnerung zu bewerkstelligen.
Diese Regel ist geradezu
phantastisch. Teile dieser Egal-Regelsind in meinem ersten Buch »So merke ich mir
Namen und Gesichter«, Delphin Verlag, München, als Übungen schon
dargestellt. Ich empfehle Ihnen die Übungen aus diesem 1. Buch »wärmstens«
als Vor-Training
zum perfekten Vokabel-Gedächtnis.
Üben wir nun im folgenden die
phantastische »Egal-Regel« an einigen Beispielen:
Auf Spanisch heißt »der Dritte«
tercero. Ich teile dieses Wort z. B. so: ter-cer-o.
Ich stelle mir dann ein Team von 3 Personen vor, und der Dritte von ihnen kehrt
den Teer weg, und die anderen rufen »oh«.
Tenemos
heißt auf Spanisch »wir haben«. Ich verbildere: Wir haben auf der Tenne
Moos (tene -
mos).
Tirar
heißt werfen oder wegwerfen. Ich stelle mir vor, wie ein Spanier ein Tier
doch nicht wegwirft, weil es rar ist.
Ventana
heißt Fenster: Am Fenster steht die Anna.
Poder heißt Macht und Kraft. Ich sehe z. B.
eine Dame, die sich mit Puder schminkt, damit ihre erotische Macht
und Ausstrahlungskraft zunimmt.
Pareja
heißt Paar. Nun, die beiden sind ein Paar, weil sie zueinander ja
gesagt haben.
Sicher werden Sie feststellen, dass Ihnen einige
Bildbeispiele, die ich hier aufgeführt habe, sofort wieder erinnerbar
sind. Andere Beispiele werden Ihnen nicht zusagen. 3a, Sie können sich
mit einigen Beispielen von mir absolut nicht anfreunden.
Das ist schon richtig so.
Der genaue Grund dafür ist, dass
jeder Mensch eine ganz individuelle Phantasie bei der Bildung von
Vorstellungen hat.
Bilden Sie also -
ganz
flexibel, persönlich und individuell Bildverknüpfungen so, wie es Ihnen
am meisten zusagt. Das, was Ihnen einfällt, ist eben dann mit Ihrer
Phantasie am besten speziell für Sie - merk-
und erinnerbar. Trotzdem sollten Sie viele Beispiele von mir beachten,
damit Ihre Phantasie angeregt wird und aus dem »Dornröschenschlaf«
bisheriger, konservativer Ausbildung erwacht und selbständig wird. Dies
ist einer derwichtigsten
Schritte in Ihrer ganz persönlichen Kreativitäts-Entwicklung.
So vage und allgemein Ihnen dies
am Anfang vorkommt, so dankbar werden Sie der Methode sein, wenn Sie sie
beherrschen lernen.