Roland Geisselhart Gedächtnistraining, Gedächtnistrainer, Gedächtnis, Konzentrationstraining

 

 


 


 

 


Das Online-Buch

Vorstufe zum Vokabellernen

An und für sich ist für das Vokabellernen keine weitere Gedächtnistechnik mehr notwendig.

Nach Erlernung der Blitzlicht–Technik ergibt sich die Beherrschung von Fremdworten, abstrakten Begriffen und Vokabeln von selbst.

Eine Schülerin aus einem unserer Oberstufenkurse hat dies einmal ganz einfach so ausgedrückt: »Die Gedächtnistechnik funktioniert jetzt bei mir so gut, dass ich mir auch Worte merken kann, die ich nicht verstehe, indem ich mir einfach das geschriebene Wort ganz groß und klar vorstelle«.

Tatsächlich konnte diese Schülerin nach wenigen Tagen Training mit denselben Techniken, die hier von Buchanfang bis zur Blitzlicht Technik beschrieben worden sind, sich einfach eine schwarze Tafel im Geist ganz deutlich vorstellen, mit weißer Kreide das Fremdwort klar und groß in Gedanken darauf schreiben und es innerlich geschrieben sehen.

Dieses Ergebnis haben wir dann in den letzten sieben Jahren mit Hunderten von Oberstufenschülern in ein bis zwei Tagen Training erreicht.

Die einzige Möglichkeit, dieses Erfolgsziel nicht zu erreichen, liegt darin, zuwenig zu üben.

Falls Sie merken, dass Sie Ihr Ziel zu langsam erreichen, empfehle ich Ihnen, die Übungen meines ersten Buchs »So merke ich mir Namen und Gesichter«, Delphin–Verlag, zusätzlich zu praktizieren.

Die Zeitspanne zur Erreichung dieser Fähigkeit ist individuell oft sehr unterschiedlich. Das einmalige Durchlesen des Buchs genügt ganz sicher nicht, da beim ersten Durchgang der Übungen der Überraschungseffekt noch zu hoch ist. Erst wenn dieser Punkt der Neuartigkeit einigermaßen verdaut ist, trägt das Üben der flexiblen Vorstellungskraft schnellere Früchte.

Zum Beispiel müssten Sie bei der Übung »mit weißer Kreide Fremdworte an eine schwarze Tafel schreiben« auch einmal ausprobieren, ob es für Sie nicht leichter ist, mit einem dicken Farbstift in Ihrer Lieblingsfarbe auf ein großes, weißes Papier, das auf Ihrem Tisch liegt, groß und klar zu schreiben und das geschriebene Wort innerlich zu sehen.

Wenn Sie zum Beispiel feststellen, dass die gedanklich niedergeschriebenen Worte sich nur in Ihr Kurzzeitgedächtnis einprägen, so vertiefen Sie die Bildintensität, indem Sie – wie ein Künstler – das bereits in Ihrer Vorstellung geschriebene Wort gedanklich noch einmal ausschmücken.

Hier möchte ich Ihnen völlig freie Hand lassen. Sie könnten z. B. die Rundungen der Vokale a, e, o, u mit einer Gegensatzfarbe ausmalen oder die Anfangs– und Endbuchstaben mit Schnörkeln und Verzierungen ausschmücken.

Immer dann, wenn es noch nicht klappt, müssen Sie die Bildfläche vergrößern, also z. B. mit einem 30 cm breiten Malerpinsel mit Leuchtfarbe an eine Ihnen bekannte Kinoleinwand schreiben. Denken Sie daran, dass Ihnen in der Vorstellungskraft grundsätzlich alles – ohne Grenzen und Hindernisse – möglich ist, und beachten Sie, dass Sie sich nur durch Ihr eigenes »Dafürhalten« und Denken begrenzen.

Genießen Sie diese innere Freiheit gerade beim Vokabellernen! Die Bildersprache ist natürlicher als die verbale Sprache, weil es die Sprache Ihres Unterbewusstseins ist. Üben Sie bitte auch im Alltag.

Wenn Ihnen z. B. ein Herr Schellenmooser vorgestellt wird, dann hängen Sie ihm einfach in Gedanken ein großes Schild um den Hals und schreiben Sie »Schellenmooser« ganz groß und deutlich darauf. Der nächste kreative Schritt wäre, dem Herrn Schellenmooser eine große Schelle auf den Kopf zu setzen, auf der (grünes) Moos wächst.

Dies sind die unglaublichen und phantastischen Möglichkeiten Ihrer kreativen Vorstellungskraft, die es täglich neu zu entdecken gilt.

Diese Übung gilt auch bei Tieren. Wenn z. B. der Hund Ihres Nachbarn Tuffi heißt, lassen Sie den Tuffi auch ein großes Schild mit dem Namen »Tuffi« als riesengroße Hundemarke um den Hals tragen. Und bei Ihrem nächsten Zoobesuch nehmen Sie Ihre Kinder mit und taufen alle Zootiere mit einem möglichst ausgefallenen Namen. Bei Anwendung dieser Bildtechnik werden Sie feststellen, dass beim zweiten Durchgang Ihre Kinder alle erfundenen Namen zum richtigen Tier noch wissen, während Sie als Erwachsener ohne unsere Gedächtnistechnik nicht einmal zu 30 % mit Ihren Kindern mithalten könnten.  

Nach sieben bis zehn neuen Namen ist fast jeder Erwachsene ohne dieses Training absolut an seiner Grenze, ohne die geringste Chance und Aussicht auf auch nur die kleinste Steigerungsmöglichkeit. Und gerade an diesem Punkt wirkt unser Training anfangs kleine und später immer größere »Wunder«.

Selbstverständlich können Sie sich auch etwas anderes ausdenken oder z. B. die Namen der Tiere ganz groß direkt auf ihre Haut schreiben.

Der nächste Schwierigkeitsgrad wäre die Besichtigung einer Kunstgalerie. Die Bezeichnung der Gemälde wird Ihnen leicht erscheinen. Die Hinzufügung des Malernamens wird Ihnen etwas schwerer fallen, weil weniger Bild ins Spiel kommt.

Wenn in der Galerie ein Bild hängt, z. B. »Die gelbe Rose«, und auf dem Bild eine gelbe Rose zu sehen ist, dann ist das ganz leicht und Sie brauchen sich fast nichts zu merken.

Wenn Sie auf ein Landschaftsbild stoßen mit der Benennung »Stimmung im Morgengrauen«, so ist das Merken ebenfalls leicht. Viel mehr Phantasie und geübte Vorstellungsgabe brauchen Sie jedoch, wenn der Name des Künstlers »Sigrun Korchowski« lautet. Sie sehen hier also eine deutliche Schwierigkeitssteigerung. Und genau diese Erhöhung der Anforderung haben Sie beim Vokabellernen im Vergleich zur einfachen Wortkoppelung, die wir bis jetzt geübt haben.

Beharrliches Training ist die Lösung!

Beginnen Sie jedoch mit kleineren Schritten, indem Sie zunächst kürzere Vokabeln zum Üben verwenden. Es ist leichter für Sie, wenn Sie von Ihrer Muttersprache ausgehen, weil dies den üblichen Denkvorgang darstellt. Nehmen Sie z. B. kurze deutschenglische Worte wie:

fähig = able
Abgrund = abyss
Sonne = sun
Affe = ape
Gebiet = area
Arche = ark
Pfeil = arrow
Bogenschütze = archer
Speck = Bacon
Schönheit = beauty
Biber = beaver

Um die Merkfähigkeit zu üben, schreiben Sie in Gedanken die jeweiligen Englisch–Worte mit weißer Kreide (wie bereits erklärt) auf eine schwarze Tafel.

Und anfangs auch noch die deutsche Bedeutung darunter. Sie können diese Reihe von kurzen, englischen Worten beliebig mit einem geeigneten Wörterbuch fortsetzen.