Vorstufe zum Vokabellernen
An und für sich ist für das Vokabellernen keine
weitere Gedächtnistechnik mehr notwendig.
Nach Erlernung der
Blitzlicht–Technik ergibt sich die Beherrschung von Fremdworten,
abstrakten Begriffen und Vokabeln von selbst.
Eine Schülerin aus einem
unserer Oberstufenkurse hat dies einmal ganz einfach so ausgedrückt: »Die
Gedächtnistechnik funktioniert jetzt bei mir so gut, dass ich mir auch
Worte merken kann, die ich nicht verstehe, indem ich mir einfach das
geschriebene Wort ganz groß und klar vorstelle«.
Tatsächlich konnte diese Schülerin nach wenigen
Tagen Training mit denselben Techniken, die hier von Buchanfang bis zur
Blitzlicht Technik beschrieben worden sind, sich einfach eine schwarze
Tafel im Geist ganz deutlich vorstellen, mit weißer Kreide das Fremdwort
klar und groß in Gedanken darauf schreiben und es innerlich geschrieben
sehen.
Dieses Ergebnis haben wir dann
in den letzten sieben Jahren mit Hunderten von Oberstufenschülern in ein
bis zwei Tagen Training erreicht.
Die einzige Möglichkeit, dieses
Erfolgsziel nicht zu erreichen, liegt darin, zuwenig zu üben.
Falls Sie merken, dass Sie Ihr
Ziel zu langsam erreichen, empfehle ich Ihnen, die Übungen meines ersten
Buchs »So merke ich mir Namen und Gesichter«, Delphin–Verlag, zusätzlich
zu praktizieren.
Die Zeitspanne zur Erreichung
dieser Fähigkeit ist individuell oft sehr unterschiedlich. Das einmalige
Durchlesen des Buchs genügt ganz sicher nicht, da beim ersten Durchgang
der Übungen der Überraschungseffekt noch zu hoch ist. Erst wenn dieser
Punkt der Neuartigkeit einigermaßen verdaut ist, trägt das Üben der
flexiblen Vorstellungskraft schnellere Früchte.
Zum Beispiel müssten Sie bei
der Übung »mit weißer Kreide Fremdworte an eine schwarze Tafel
schreiben« auch einmal ausprobieren, ob es für Sie nicht leichter ist,
mit einem dicken Farbstift in Ihrer Lieblingsfarbe auf ein großes, weißes
Papier, das auf Ihrem Tisch liegt, groß und klar zu schreiben und das
geschriebene Wort innerlich zu sehen.
Wenn Sie zum Beispiel
feststellen, dass die gedanklich niedergeschriebenen Worte sich nur in Ihr
Kurzzeitgedächtnis einprägen, so vertiefen Sie die Bildintensität,
indem Sie – wie ein Künstler – das bereits in Ihrer Vorstellung
geschriebene Wort gedanklich noch einmal ausschmücken.
Hier möchte ich Ihnen völlig
freie Hand lassen. Sie könnten z. B. die Rundungen der Vokale a, e, o, u
mit einer Gegensatzfarbe ausmalen oder die Anfangs– und Endbuchstaben
mit Schnörkeln und Verzierungen ausschmücken.
Immer dann, wenn es noch nicht
klappt, müssen Sie die Bildfläche vergrößern, also z. B. mit einem 30
cm breiten Malerpinsel mit Leuchtfarbe an eine Ihnen bekannte Kinoleinwand
schreiben. Denken Sie daran, dass Ihnen in der Vorstellungskraft grundsätzlich
alles – ohne Grenzen und Hindernisse – möglich ist, und beachten Sie,
dass Sie sich nur durch Ihr eigenes »Dafürhalten« und Denken begrenzen.
Genießen Sie diese innere
Freiheit gerade beim Vokabellernen! Die Bildersprache ist natürlicher als
die verbale Sprache, weil es die Sprache Ihres Unterbewusstseins ist. Üben
Sie bitte auch im Alltag.
Wenn Ihnen z. B. ein Herr
Schellenmooser vorgestellt wird, dann hängen Sie ihm einfach in Gedanken
ein großes Schild um den Hals und schreiben Sie »Schellenmooser« ganz
groß und deutlich darauf. Der nächste kreative Schritt wäre, dem Herrn
Schellenmooser eine große Schelle auf den Kopf zu setzen, auf der (grünes)
Moos wächst.
Dies sind die unglaublichen und
phantastischen Möglichkeiten Ihrer kreativen Vorstellungskraft, die es täglich
neu zu entdecken gilt.
Diese Übung gilt auch bei
Tieren. Wenn z. B. der Hund Ihres Nachbarn Tuffi heißt, lassen Sie den
Tuffi auch ein großes Schild mit dem Namen »Tuffi« als riesengroße
Hundemarke um den Hals tragen. Und bei Ihrem nächsten Zoobesuch nehmen
Sie Ihre Kinder mit und taufen alle Zootiere mit einem möglichst
ausgefallenen Namen. Bei Anwendung dieser Bildtechnik werden Sie
feststellen, dass beim zweiten Durchgang Ihre Kinder alle erfundenen Namen
zum richtigen Tier noch wissen, während Sie als Erwachsener ohne unsere
Gedächtnistechnik nicht einmal zu 30 % mit Ihren Kindern mithalten könnten.
Nach sieben bis zehn neuen Namen
ist fast jeder Erwachsene ohne dieses Training absolut an seiner Grenze,
ohne die geringste Chance und Aussicht auf auch nur die kleinste
Steigerungsmöglichkeit. Und gerade an diesem Punkt wirkt unser Training
anfangs kleine und später immer größere »Wunder«.
Selbstverständlich können Sie
sich auch etwas anderes ausdenken oder z. B. die Namen der Tiere ganz groß
direkt auf ihre Haut schreiben.
Der nächste Schwierigkeitsgrad wäre die
Besichtigung einer Kunstgalerie. Die Bezeichnung der Gemälde wird Ihnen
leicht erscheinen. Die Hinzufügung des Malernamens wird Ihnen etwas
schwerer fallen, weil weniger Bild ins Spiel kommt.
Wenn in der Galerie ein Bild hängt,
z. B. »Die gelbe Rose«, und auf dem Bild eine gelbe Rose zu sehen ist,
dann ist das ganz leicht und Sie brauchen sich fast nichts zu merken.
Wenn Sie auf ein Landschaftsbild
stoßen mit der Benennung »Stimmung im Morgengrauen«, so ist das Merken
ebenfalls leicht. Viel mehr Phantasie und geübte Vorstellungsgabe
brauchen Sie jedoch, wenn der Name des Künstlers »Sigrun Korchowski«
lautet. Sie sehen hier also eine deutliche Schwierigkeitssteigerung. Und
genau diese Erhöhung der Anforderung haben Sie beim Vokabellernen im
Vergleich zur einfachen Wortkoppelung, die wir bis jetzt geübt haben.
Beharrliches Training ist die Lösung!
Beginnen Sie jedoch mit
kleineren Schritten, indem Sie zunächst kürzere Vokabeln zum Üben
verwenden. Es ist leichter für Sie, wenn Sie von Ihrer Muttersprache
ausgehen, weil dies den üblichen Denkvorgang darstellt. Nehmen Sie z. B.
kurze deutschenglische Worte wie: