Roland Geisselhart Gedächtnistraining, Gedächtnistrainer, Gedächtnis, Konzentrationstraining

 

 


 


 

 



Das Online-Buch

Das passive Lernen

 

Die Prüfung war ein Kinderspiel

Als ich vor einigen Jahren ein neues Gedächtnisseminar im Großraum München hielt, kam ein junger Student zu mir. Er schwenkte in der Hand eine Portion Blätter, auf denen mehrere hundert Straßennamen, Plätze, Hotels etc. von München aufgelistet waren.

»Und wie soll ich das alles lernen für die Taxifahrerprüfung?« fragte er mich.

»Tja, mit bildhaften Verknüpfungen müssten Sie da schon etwas geschickter sein, als Sie es nach einem Tag Einführungs-Seminar sein können«, antwortete ich nachdenklich. »Versuchen wir es doch einfach mit dem Passiv-Lernen, das geht oft schneller. Außerdem müssen Sie das ja nur auf den Prüfungstermin hin können.«

Wir besprachen, dass er sich zunächst einmal den Stadtplan übers Bett hängen sollte. Dieser war passend zu der Einteilung seiner Auflistung von Straßennamen in sechs oder acht Bezirke eingeteilt. So konnte er sie mit bildhafter Vorstellung in wenigen Tagen auswendig im Kopf unterscheiden. Dann verblieben wir so, dass er sich alle Straßennamen pro Bezirk auf ein Tonbandgerät aufsprechen und während des Abhörens gleichzeitig auf dem Blatt mitlesen sollte. Ich war gespannt auf seine Ergebnisse.

Drei Wochen später erschien der Student in einem Oberstufenseminar und berichtete mir freudestrahlend von der bestandenen Taxifahrerprüfung. »17 Bewerber waren da, 12 haben nur bestanden, und ich war dabei«, erklärte er stolz. »Da waren alteingesessene Münchner, die sagten, "die Straßen von München kenne ich" und trotzdem nicht bestanden.«

Ich forschte sofort nach, wie der Student weiter vorgegangen war. Er berichtete: »Ich habe nach zwei Stunden alle Straßen, Plätze und Hotels auf Tonband aufgesprochen. Alle acht Bezirke. Dann habe ich mich einfach jeden Tag zwei Stunden früher »schlafen gelegt«, mich entspannt, das Tonband eingeschaltet und beim Klang meiner eigenen Stimme die Blätter mitgelesen. Jedes Mal, wenn eine neue Bezirkseinteilung kam, schaute ich kurz auf die an der Wand hängende Karte hoch und ließ mich berieseln, während ich mit den Augen den Zeilen folgte.

Die letzten vier Tage vor der Prüfung habe ich die ganze Prozedur morgens noch einmal gemacht. Und am Tag der Prüfung habe ich mich gut ausgeruht und bin Paddelboot gefahren, wie Sie es im Seminar empfohlen haben. Hurra, ich habe bestanden und dies, obwohl ich kein besonders guter Lerner bin.«

Fazit: Wandeln Sie das Beispiel des fröhlichen TaxifahrerStudenten auf eine Lernsituation in Ihrem täglichen Aufgabenbereich um.

Sie können auf Band nicht nur Vokabeln, sondern grundsätzlich alles aufsprechen: Formeln, Mathematik, eine Rede, Argumente und wichtiges Gelesenes.

Achten Sie bei Texten darauf, vorher alle Fremdwörter mit einem Filzstift anzustreichen und dann diese Fremdwörter im Lexikon nachzuschlagen. Jetzt sprechen Sie sich die Fremdwörter mit der erklärenden Bedeutung zuerst alle auf Band. Das ist wie ein vorangehendes Vokabellernen. Und dann erst sprechen Sie sich den Text auf.

So können Sie alles lückenlos verstehen und deshalb wesentlich leichter und einprägsamer lernen, als wenn Sie es aufgrund der unverstandenen Fremdwörter nicht recht begreifen würden.

Unterschätzen Sie diesen Punkt nicht.

  Verstehen ist wichtiger als Wissen.

Verstehen ist Voraussetzung zum Anwenden.